Literatur

 

 

 

Ich möchte zu folgenden Texten:

Sozialismus (1)

Einmal

richten

Sammler

Weiße Schimpansen

Arbeit

Sozialismus (2)

X · X

Thier

Menschen

Der kleine Gott

Pflanze

Sophie

Bewegung

Ein Lied an Frau Rasche

 Die Kuh im Propeller

Globalisierung

Menschlichkeit

Ohne Titel

 

 

 

 Sozialismus

Nicht leicht und erfüllt

floss uns früher das Leben

im Kapitalismus

damals und heute.

Aber wir waren so

heiter und froh

voll Anmut und Zierde

in den Pausen voll Glück,

so frisch und verwegen

in der Verteidigung des Glücks.

 

 

 

 

Einmal

werden dich

die Kräfte verlassen.

Wirst du mit ihnen gehen

oder bleiben wollen?

 

 

 

 

 

 

Die Welt verändern.

Sich in der Welt einrichten.

Die Welt richten.

 

 

  

Als Sammler

sind wir

auf diese Erde gekommen.

Verstört, wie wir waren,

mussten wir uns erst einmal sammeln.

 

 

 

 

Weiße Schimpansen

Sabine Lu war eine Schimpansin. 1964 wurde sie in einer Jahrmarktskolonie in Florida geboren und an einen Schimpansenforscher verkauft, der sie wiederum US-amerikanischen Pflegeeltern übergab. Sie schlief zwischen ihren Eltern und fühlte sich ihrem Stiefbruder sehr zugetan. In den ersten sechs Jahren verständigte sie sich mit Lauten und Gesten, sie verstand auch schon sehr gut Englisch. Dann lernte die US-amerikanische Zeichensprache der Taubstummen. Im Haushalt machte sie sich nützlich, servierte Tee und machte Streiche wie jedes Kind. Sie blätterte gerne in der Zeitschrift "National Geographic", in ihrer Pubertät wechselte sie dann zu "Playgirl". Sabine Lu zog eine kleine Katze auf und brachte ihr bei, bei Bedarf aufs WC zu gehen. Sie trank gerne Chablis, bediente sich aus der Hausbar mit Gin und machte dazu manchmal den Fernseher an. Sie hatte sich gut in die Familie eingegliedert. 1972 berichtete die Zeitschrift "Life" über diese Familie. Sabine Lu war eine der ihren, auch wenn sie anders aussah.

Als sie zum ersten Mal in einer Zeitschrift eine Schimpansin ihrer Art abgebildet sah, stürzte sie in eine Identitätskrise. Erst recht, als sie Schimpansen ihrer Art in der Realität sah. Sie hielt sie für eine andere Rasse und schaute auf sie herab. Erst langsam konnte sie sich mit dem Gedanken anfreunden, mit solchen Wesen verwandt zu sein. Nun sollte sie gar 1977 mit solchen Wesen in Afrika zusammenleben. Weiße Schimpansen hatten dafür eine Rehabilitationsstation in Gambia eingerichtet. Dort magerte sie ab, wurde depressiv und sehr krank. Weiße Schimpansen wollten ihr beibringen, sich ein Nest in den Bäumen zu bauen und sich ihre Nahrung im Urwald zu besorgen. Fünf Jahre dauerte es, bis sie sich in behüteter Umgebung an den Urwald angepaßt hatte; sie zog sogar eine Schimpansenwaise auf. Bis 1988 ihr Leichnam gefunden wurde. Wilderer hatten ihr Hände und Füße abgeschlagen und das Fell abgezogen, um diese Trophäen zu verkaufen.

Sabine Lu war eine Schimpansin. 1961 wurde sie in einem Dorf in Norddeutschland geboren. Sie wollte in die große weite Welt und zog deshalb nach Hamburg. 1979 lernte sie dort einen blonden, kräftigen Jungen kennen und war fasziniert von ihm. Er war noch in der Ausbildung, Kfz-Mechaniker, aber er verstand die Welt. Sabine Lu machte Werbung für eine Kosmetik-Firma, bis es ihr zu bunt wurde. Von der Werbeabteilung eines großen Verlagskonzerns versprach sie sich mehr. Es war stressig, und die Anfahrt war lang, aber sie wohnte jetzt mit ihrem Jungen zusammen. Im Verlag drückte sie eine Gauloise nach der anderen weg und freute sich auf den Abend. Das Steak lag schon im Kühlschrank des Verlags. Sie schlang sich um seinen Körper, in seinen Augen versinkend.

Sabine Lu war gegen den Rüstungswettlauf der achtziger Jahre. Sie demonstrierte und demonstrierte. Abends klammerte sie sich an ihren Jungen, der jetzt Geselle war und einen schönen Batzen Geld nach Hause brachte. Ausgab für eine Kawasaki, mit der sie am Wochenende losbrausten, hinaus aufs Land, zu den Deichen, zu den Möwen. Der Arbeit im Verlag war sie leid l987. Sie wollte kreativ sein und ging wieder zurück zur Werbung. Frei wollte sie sein und mit ihrem Jungen zusammen die Welt erobern. Bis Sabine Lu 1988 plötzlich starb - an Krebs.

Sabine Lu war eine Schimpansin. 1959 wurde sie in eine bürgerliche Familie in Süddeutschland geboren. In behüteter Atmosphäre wuchs sie auf, zwischen Reben und saftigen Wiesen. Sie war beeindruckt von Ernst Jünger, wollte Bücher schreiben und Bücher machen. Also zog es sie l984 zu einem Verlag nach Stuttgart. Leider war es keine Literatur, sondern nur Bildbände und Werbebücher für den ADAC. Eben Dinge, die Geld brachten. Darauf waren auch die Angestellten geeicht: Sich durchzuboxen und sich als Sieger zu präsentieren, koste es, was es wolle. Ein Welt brach für Sabine Lu zusammen, als sie merkte, wie Kolleginnen gegen sie intrigierten und sie hängen ließen. Sie weinte jämmerlich, als sie sich ganz allein fand, verlassen von allen Genossinnen ihrer Art. Sie fühlte sich als einzige Gesunde in einem Irrenhaus. Als dann auch noch Freund sie enttäuschte, starb sie über ihrem Gram 1988.

Sabine Lu war eine Schimpansin. 1988 wurde sie im Urwald von Tansania geboren. Der Wald war klein, die Sippe war klein, aber es reichte noch für ein paar unbeschwerte Jahre mit ihren Eltern, Geschwistern, Tanten und Onkeln. Sie lebte in den Kronen der Bäume, hielt sich fern von den Wilderern und Touristen. Das waren kranke Schimpansen, unberechenbar, um sich schlagend, Wüste hinter sich lassend. Nur von ferne waren die Laster dieser weißen Schimpansen zu hören, die Bäume abholzten und Wälder verbrannten.

Bis 2008 der Lärm aufhörte. Elefanten schleppten jetzt Bäume durch den Wald. Immer mehr von den kranken Schimpansen kamen in den Wald und bauten sich Hütten, fraßen auch wieder Nüsse, Wurzel und tropische Früchte wie Sabine Lu. Ihre Kleidung fiel bald in Fetzen ab. Viele starben unter Stöhnen. Die Kunde drang zu Sabine Lu, dass große Explosionen die Erde erschüttert, die Städte der kranken Schimpansen ausgelöscht und die Erde radioaktiv verseucht hätten. Die Überlebenden hatten sich zu ihnen in den Wald geflüchtet. Doch sie lebten nicht mehr lange.

 

 

 

Im Vorübergehn

spielerisch

erledigt

ein Tier

am liebsten

die Arbeit.

 

 

 

 

Sozialismus

 

Das Kratzen auf der Haut

nach einem gelungenen Mahl.

 

Der Sonnenschein

ist ein Auftrag an das Leben.

 

 

 

X · X

Was treibt mich?

Was treibt mich, so zutraulich zu sein?

Das Leben.

Das Leben meiner Art.

 

 

Thier

Mit großen Augen kam er in die Welt.

Nicht kleinlaut schied er von hinnen.

 

 

 

 

Menschen

sind empfindsame Tiere.

Sieh in ihre Augen,

schau auf ihre Hände,

touch their skin.

 

 

 

 

 

Der kleine Gott

Der Tag bettelte, doch mit "blauem Himmel" in das Tagebuch von Karl-Heinz Thier aufgenommen zu werden; die paar Wolkenstreifen am Horizont möge man doch übersehen. Und gnädig, wie KT ist, entsprach er dieser Bitte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pflanze

Auf dass du dich öffnest für den Tag

und schließest für die Nacht.

Mehr ist in dir nicht angelegt -

du kleine Faust in Mutters Schoß,

du Faust am Amboss und am Fischernetz.

Lass fahren die Nacht um dich

und leg dich unter Palmen

wie alle anderen Tiere.

 

 

 

 

 

 

 

Sophie

So viel

umschlungen

hat mein Herz,

was es möcht'

wieder

von sich geben.

 

Bewegung

 

Ein Tropfen läuft

über meine Lippe.

Ist's Regen? Sind's Tränen? Ist's Blut?

Da läuft etwas über,

ist nicht zu halten.

Oder läuft etwas aus,

und bist's du?

 

 

Ein Lied an Frau Rasche

Sitzt da bei Aldi,

tippt sich die Finger wund.

Die Preise im Kopf,

die Gedanken zu Haus'.

"Ihr könnt mich mal alle ..."

Ein Lächeln doch,

nicht wegen des Geldes,

sondern weil die andere

jenseits des Tresens

eine von uns,

die wir nicht wählen,

nicht rennen, nicht dopen,

nicht korrumpiert werden müssen.

Weil ohne Macht,

hat man uns vergessen:

die Ratten im Keller, dick und rund,

die Biber im Bach, flink und spitz,

die Adler der Luft, hoch über dem Fels'.

Das Leben nagt am Zahn der Zeit,

denkt Frau Rasche,

aufrecht hinter der Kasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kuh im Propeller

Grigori Kossonossow, der Wächter der Fliegerschule, fuhr auf Urlaub in sein Heimatdorf. Nun, was ist, Genosse Kossonossow?" sagten die Kollegen beim Abschied. "Da Ihr schon hinfahrt, könnt Ihr vielleicht ein bisschen agitieren dort im Dorf, wie? Sagt den Bäuerlein, so und so, das Flugzeug entwickelt sich bei uns. Vielleicht tragensie etwas Geld zusammen für ein neues Flugzeug!" "Da könnt ihr versichert sein", antwortete Kossonossow, "ich werd' schon tüchtig Propaganda machen. Wär' was anderes, wenn es nicht ums Flugwesen ginge. Aber darüber seid unbesorgt, ich werd' schon was Richtiges sagen!"

Kossonossow kam nach Hause und begab sich gleich am Tag seiner Ankunft in den Dorfsowjet. "Also", sagte er, "ich will hier ein bisschen agitieren, kann man nicht eine Versammlung einberufen?" "Nun, warum nicht?" sagte der Vorsitzende. "Agitiert nur, agitiert nur!"

Am andern Tag rief der Sowjet die Bauern beim Feuerwehrschuppen zusammen. Grigori Kossonossow trat vor sie hin, verbeugte sich und begann: "Also so ist das. Das Flugwesen, Genossen Bauern. Da ihr ein, na ja, na Gott, na ja, ungebildetes Volk seid, werd' ich euch etwas von der Politik erzählen. Hier, sagen wir mal, ist Deutschland und dort vielleicht Frankreich, hier Russland und da, na ja, überhaupt ..." "Worüber redest du eigentlich, Väterchen?" fragten die Bauern. "Worüber?" erwiderte Kossonossow empört. "Über das Flugwesen natürlich! Blüht halt sehr auf, das Flugwesen. Hier ist also Russland, und hier ist China!"

Die Bauern hörten finster zu. "Halt dich nicht auf!" rief jemand hinten. "Red' weiter!" "Ich halt' mich gar nicht auf", sagte Kossonossow eingeschüchtert, "ich red' ja über das Flugwesen. Es entwickelt sich bei uns, Genossen Bauern. Nichts dagegen zu sagen! Was wahr ist, ist wahr!" "Hm, etwas unverständlich!" rief der Vorsitzende. "Sie, Genosse, Sie müssen etwas volkstümlicher sprechen, bitte, dass Sie die Masse auch versteht!"

Kossonossow trat näher an den Haufen der Bauern heran, setzte verlegen das eine Bein etwas vor und begann von neuem: "Also, Genossen Bauern, man baut Flugzeuge bei uns, und nachher - huit - fliegt man - in der Luft sozusagen. Nun, mancher natürlich hält sich oben nicht gut, bums, saust er runter, wie der Fliegergenosse Jeremilkin. Rauffliegen tat er ganz gut und dann? Bums, krach - ein nasser Fleck blieb übrig!"

"Ist doch kein Vogel - schließlich", sagten weise die Bauern. "Eben, das sag' ich ja auch!" sagte Kossonossow, erfreut über die Anteilnahme. "Natürlich kein Vogel, ein Vogel, wenn der herunterfällt, nun ja, er schüttelt sich und los, weiter - anders beim Menschen. - War da noch so ein anderer Flieger. Der fiel auf einen Baum und hing da wie ein Äpfelchen, hat sich natürlich erschreckt, der Arme, es war zum Kranklachen ... Ja, ja, ja Verschiedenes passiert so. Da ist einmal eine Kuh in den Propeller gekommen - ritsch, ratsch, weg war sie! - Auch Hunde!"

"Und Pferde?" fragten ängstlich die Bauern. "Auch Pferde, Väterchen?" "Auch Pferde!" sagte stolz im Brustton der Überzeugung der Redner. "Das kommt oft vor!" "Ach, diese Kanaillen. Hol' sie der Teufel!" sagte jemand. "Was sie sich jetzt alles ausdenken - Pferde zu Tode quälen! Nun, Väterchen, und das entwickelt sich jetzt, ja?" "Eben, das sag' ich ja, es entwickelt sich, Genossen Bauern. Und darum, meine ich, sammelt vielleicht die ganze Bauernschaft etwas Geld." "Wofür denn bloß, Väterchen?" fragten neugierig die Bauern. "Für ein Flugzeug natürlich!" sagte der Redner.

Die Bauern lächelten finster und gingen langsam auseinander. Geld für ein neues Flugzeug brachte Kossonossow, als er von seinem Urlaub zurückkam, nicht mit. Die Bauern seines Heimatdorfes waren eben noch ein zu ungebildetes Volk.

 

Michael Sosschenko

 Globalisierung

 

Alles ist im Fluss,

und das nicht zum Besten.

Die Schwächsten sind schuld,

sagen die Stärksten

und schließen das Tor,

um besser betrügen zu können.

 

 

 

Von Artgenossen ermordet.

Seid artig, Genossen.

 

 Menschlichkeit

 

Soldaten peitschten eine Hochschwangere zu Tode

Sie hatten sie verdächtigt

zu wissen

wo die feigen mordrünstigen

Selbstmordattentäter sich aufhielten

Sie schmissen die Frau zu Boden

um das Schweigen aus ihr herauszufoltern

 

Als die Welt davon erfuhr

rechtfertigte der Ministerpräsident

die Tat

Sagte, dass es ja allein dem freien Willen der Frau oblag

zu reden

um ihr Leben

und das ihres Ungeborenen

zu retten

 

Und im übrigen müsse die Welt den Soldaten

zu Gute halten

daß sie sich menschlich verhalten haben

Haben sie doch unter erschwerten Bedingungen

ein Loch in das felsige Gestein gegraben

um die Leibesfrucht

geschützt hineinzulegen

Eine Fürsorge, die die menschenfeindlichen Terroristen

niemals einer Hochschwangeren

seines leidgeprüften Volkes

hätten angedeihen lassen.

 

 

Lothar Samuel Tesche

                                                                                  Das Glück war mir nicht hold:

                           Ich bin unter Menschen gefallen.

                           So lös ich mich leicht auf

                           und versuch’s aufs neu.

 

 

 

Bewegung

 

Mit Fremden tauschen.

Mit Fremden teilen.

Aus Fremden können Freunde werden.

 

 

 

 
Wir machen nicht mehr mit

Willkommen im Sozialismus                                                                                                                                      

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Leben oder Kapitalismus

Widerstand

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Hamburg

Hamburg von hinten                                                                                                  

Innoratio

1. Wer regiert uns wirklich?

2. Wer regiert uns wirklich?

3. Wer regiert uns wirklich?

4. Wer regiert uns wirklich?