Die Zuversicht,  den richtigen Hebel zur Veränderung dieser Gesellschaft gefunden zu haben, nahmen Karl Marx und Rosa Luxemburg daher, dass sie Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung einer Gesellschaft entdeckt hatten. Allerdings konnten sie die Gesetzmäßigkeiten erst rudimentär formulieren, und sie kannten noch nicht die Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung eines Individuums und einer Gruppe (Psychologie).

 

 

 

Tabus sozialistischer Theorie

 

Eine Alternative zum Kapitalismus beginnt im Alltagsverhalten individueller Menschen:

v Die individuelle Freiheit muss respektiert werden.

v Wie weit bin ich in meinem Alltagsverhalten in den Kapitalismus verstrickt?

v Bin ich überhaupt positiv zum Leben eingestellt? Wenn man unterstellt, dass der Kapitalismus lebensfeindlich ist.

Man wird sich deshalb im Laufe der Loslösung vom Kapitalismus von einigen Menschen trennen müssen. Und von bürgerlichen Begriffen von Bildung.

 

 

 

Was lernen wir aus den bisher fehlgeschlagenen sozialistischen Revolutionen?

 

·   Eine sozialistische Revolution kann nicht von Mitgliedern  des herrschenden Systems (Bürgerlichen und nach Bürgerlichkeit strebenden Arbeitern) getragen werden. Die wahren Unterdrückten, die einfachen Leute, sind mit ihrer Ideologie den Naturgesetzen näher: „Man braucht nicht viel für ein gutes Leben. Mensch kann sich auch ohne Tauschverhältnisse am Leben erhalten. Im Zentrum meines Lebens stehen meine sinnlichen Bedürfnisse, der sinnliche Augenblick. Ich tu nur das, worauf ich Lust habe.“

·   Eine sozialistische Revolution darf weder das Kollektive noch das Individuelle verabsolutieren: „Die sinnlichen Bedürfnisse eines jeden Menschen sind endlich. Wenn der Magen voll ist, hört das Bedürfnis nach Essen auf. Ich möchte dann meinem Mitmenschen nützlich sein und verbindliche Absprachen mit ihm treffen. Nur in gemeinsamer Aktion, als Gleicher unter Gleichen fühle ich mich wohl. Es macht mir keinen Spaß, mich für den Größten zu halten.“

 

 

 

 

Eine Revolte (z.B. 1968), das Umstürzen von Bänken und Müllbehältern durch Jugendliche, darf man nicht verwechseln mit einer Revolution, einer Umwälzung der Verhältnisse durch die Massen.

 

 

 

Warum die Linke bisher nicht erfolgreich war

 

Die Masse der Linken wurde erst aktiv, änderte sich bzw. ihre Gesellschaft erst, als es schon zu spät war, d.h. das Kapitalinteresse z.B. in Form von Funkmasten vor ihrer Haustür sie bedrohte. Bis dahin war sie nur symbolisch (auf Demos, Unterschriftenlisten, Debattierclubs) tätig. Darin unterschied sie sich nicht von anderen Massen. Ihr fehlte das aktivierende Unbehagen, wenn „nur“ andere in Not waren. Sie hatte nicht das Gefühl: Wenn es meinem Bruder/Nachbarn schlecht geht, geht es auch mir schlecht. Sie ließ es sich wohl ergehen auf dem Elend der Menschen in Afrika und anderen Kontinenten. Sie hatte das Gefühl: Mir geht es gut, den anderen geht es schlecht, also habe ich Mitleid mit ihnen.

 

Als sie aktiv wurden, merkten die meisten nicht, dass sie selbst Verursacher des Problems waren, z.B. selbst gerne ein Handy benutzten (wofür man die vielen Funkmasten braucht). Sie drückten sich vor der Frage: Wie weit ist die Linke selbst  in den Kapitalismus verstrickt? Das hinderte sie an der Erkenntnis: Wenn wir nicht mitmachen, ist dem Kapitalismus der Boden entzogen.

 

Auf einer dritten Ebene nahmen sie nicht wahr, warum sie in den Kapitalismus verstrickt waren. Der Kapitalismus ist ohne Drogen, dem Ferment des Kapitalismus, nicht auszuhalten. Wer dem Kapitalismus ernsthaft etwas entgegensetzen will, muss deshalb kapitalismusfreie Zonen schaffen, in denen sich Menschen frei entwickeln können, ohne auf Drogen angewiesen zu sein: Zonen ohne Tauschbeziehungen, Zonen des freien Zusammenschlusses und der Selbstversorgung, Zonen, in den Menschen agieren, weil es ihnen ein Bedürfnis ist, ihren Mitmenschen nützlich zu sein, nicht weil sie fragen: Was nützt mir das? Freie Schulen, freie Kooperativen, Umsonst-Läden sind Mosaiksteine solcher kapitalismusfreien Zonen.