Einleitung

 

Eine Alternative zum Kapitalismus gibt es nicht über Instrumente, es müssen sich schon die Menschen verändern, sie müssen andere Bedürfnisse haben; wo sie die nicht haben, haben sie auch kein Bedürfnis nach einer Alternative zum Kapitalismus. Instrumente wie „Kein Privateigentum“ oder „Alles umsonst“ oder „Kultur ins Volk“ reichen nicht. Die Menschen müssen ein Bedürfnis nach einer anderen Haltung zum Leben haben: „Wir wollen nur gut leben, dazu brauchen wir nicht viel, das schaffen wir ohne Handel.“

 

Sozialismus ist nicht „Beethoven in der Kupferhütte“, sondern: Die Arbeit in der Kupferhütte so rationalisieren und humanisieren, dass die Menschen dort nach „Feierabend“ noch Lust haben, kreativ und nützlich für ihre Mitmenschen zu sein, und dass man sie diese Lust ausleben lässt.

 

Getragen wird eine alternative Gesellschaft von Menschen, die

vnur ihre sinnlichen Bedürfnisse befriedigen wollen, also nicht mehr haben wollen, als in ihren Magen hineinpasst;

vdafür keine Gegenleistung erbringen wollen, weil sie als Menschen ein Recht auf Leben haben und dies nicht erst kaufen müssen, also ohne Tauschverhältnisse, ohne Geld ihre Bedürfnisse befriedigen wollen;

veine Lust auf Leben haben, also weder durch eine Religion noch durch eine Ideologie dabei gebremst werden;

valles, was sie zuviel haben, an ihnen nahe Stehende abgeben.

 

 

 

 

Bislang wurde die Bewegung für eine Alternative zum Kapitalismus von Unterdrückten getragen, von Menschen, die leiden und nach oben wollen. Ich mache auf eine andere Strömung dieser Bewegung aufmerksam, auf Menschen unten, die nicht nach oben wollen und nicht leiden, weil sie gut leben und mehr nicht wollen, z.B. Berta Beecken, eine Bäuerin im Alten Land, die noch nie in ihrem Leben in Urlaub war und auch gar nicht das Bedürfnis hat.

 

 

 

 

 


In der sozialistischen Bewegung hakte es bislang, weil sich Bürgerliche für Ausgebeutete einsetzten. Die wahre Bewegung muss aber von den Ausgebeuteten selbst kommen. Nicht direkt, sondern von ihrer nachkommenden Generation, die sich das Elend ihrer Eltern mit ansieht, aber selbst noch nicht gebrochen ist.

 

Wie sieht die Bewegung aus, die von den Ausgebeuteten ausgeht? Sie äußert sich in Haltungen wie:

„Mir geht es gut ohne Arbeit.“

„Warum soll es mir nicht so gut gehen wie anderen Tieren?!“

„Mensch braucht nicht viel für ein gutes Leben.“

„Tu nur das, worauf du Lust hast.“

„Wer gut lebt, will nicht reich werden.“

 

 

 

 


Zu einer Kraft gibt es immer eine Gegenkraft. Wenn wir unter Kapitalismus den falschen Ansatz einer Männergesellschaft sehen, aus dem notwendigerweise die Spirale von Eigentum- und Tauschverhältnissen, Geld, Waren, ökonomischem Wettbewerb, Wirtschaftswachstum, Kapitalismus, Faschismus hervorgeht, dann gab es dazu immer schon Frauenaufstände, Sklavenaufstände, Bauernkriege, Bürgerrevolutionen, Arbeiterkämpfe. Das Neue dieses Pamphlets ist nur die differenzierte Sichtweise dieser Gegenkraft. Sie war und ist nicht nur martialisch, sondern viele Menschen sind auch eine Gefahr für den Kapitalismus, weil sie ihn nur unter Drogen ertragen oder weil sie einfach (innerlich) davonlaufen und nicht in „ihrer“ Firma zuhause sind, sondern bei sich selbst, bei ihren Sinnen, bei ihrer Erkenntnis: Ich kann gut leben, wenn ich nur das tue, worauf ich Lust habe. Ich brauche nicht viel, um gut zu leben; aber das nehme ich mir und bitte nicht darum und verkaufe mich nicht dafür. So notwendig die beiden ersten Reaktionsweisen sind, der effektivste Widerstand kommt aus der dritten, der lebendigen Alternative zum toten Kapitalismus. Um die geht es hier.

 

Nichts wirklich Neues wird hier zutage gefördert. Kein investigativer Journalismus, kein Entdeckungsabenteuer. Die scheinbar neuen Erkenntnisse liegen auf der Straße.

 

Der verbale Widerstand gegen den Kapitalismus kam bisher als Aufklärung daher (nach außen gerichtet) oder als Literatur (nach innen gerichtet). Hier wird das Innere der Menschen als Quelle des effektivsten Widerstands freigelegt.

 

 

 

 


Wir sind dazu da, zu leben. Uns am Leben zu erhalten. Wir sind nicht dazu da, die Größten zu sein, ein Wirtschaftswachstum zu fördern, auf dem Mond oder auf dem Mars zu landen. Wir sind auch nicht dazu da, Drogen zu nehmen, von Drogen abhängig zu sein, von anderen Menschen abhängig zu sein, uns ihnen zu verkaufen.